Die Reise führt zu den verschiedensten Parklets in
Wien und zu den Menschen mit ihren einzigartigen Erfahrungen über die
alternative Parkplatznutzung und ihren vorhandenen Wünschen an eine
menschengerechtere Stadt. Parklets sind Sitzgelegenheiten oder kleine Gärten,
die auf Parkplätzen eingerichtet werden können, um konsumfreie Orte zum
Verweilen zu schaffen.
Das Parklet „Geht doch – Nimm dir
deinen Platz“ befindet sich in der Taborstraße 51 im 2. Wiener Gemeindebezirk. Initiiert
wurde es unter anderem von dem Verein „Geht doch“, welcher verschiedene
Aktionen im Straßenraum durchführt mit dem Ziel zu zeigen, dass der Straßenraum
den Menschen gehört und nicht den Autos. Kurz gesagt setzt sich der Verein also
für die Interessen von Zufußgehenden ein, wie z. B. für eine höhere Anzahl von
Sitzbänken im öffentlichen Raum.
Heute am 10. September treffen
sich Hanna, Guntram und eine weitere Person am Parklet, um ihre zukünftigen
Aktionen zu besprechen. Es ist ein offenes Treffen, zu dem alle Interessierten
eingeladen sind aber heute kommt niemand mehr und wir bleiben zu viert. Die
zwei Hauptthemen während des Treffens sind das Parklet und das kommende
Streetlife Festival. Bei dem Thema „Parklet“ geht es darum, wie man das Parklet
für möglichst viele unterschiedliche Gruppen interessant machen kann. Die
Anfangsidee besteht darin, ältere Frauen einzuladen, um auf dem Parklet zu
stricken oder Spiele zu spielen. Es werden einige scherzhafte Anmerkungen
gemacht, wie die gewünschte Zielgruppe zu finden sei. Im Endeffekt fiel die
Entscheidung darauf, sich im Bekanntenkreis nach geeigneten Personen umzuhören.
Meine Anwesenheit führte auch zu
einer Anekdote über die Beschaffung der Materialien für das Parklet. Guntram
fuhr zu einem bekannten Geschäft mit Bausortiment, um verschiedene Materialien für
das Parklet zu kaufen und sich zudem einen Wagen auszuleihen. Die Angestellte war
nur wenig davon begeistert, ihm diesen Wagen zur Verfügung zu stellen. Als er
ihr erzählte, für welches Projekt er den Wagen brauchte, war sie gleich noch
viel weniger begeistert. Daraufhin sagte Guntram, sie möchte sich folgende
Situation vorstellen (die etwas ältere Frau hat übrigens ein offensichtliches
Hüftleiden): Sie hat gerade eingekauft und muss die ganze Länge der Taborstraße
(in der sie wohnt) zu Fuß hinaufgehen. Das kann sie nachvollziehen und lenkt
ein, dass sie die Aktion jetzt versteht. So kommt Guntram doch zu seinem Wagen,
um die Holzbretter für das Parklet zu transportieren.
Im Verlauf des Treffens auf dem
Parklet kommen eine Frau und ein Kind vorbei. Das Kind nutzt die Sitzblöcke auf
dem Parklet zum Spielen. Sie warteten anscheinend auf jemanden. Die Frau schaut
immer wieder zu uns herüber. Dann fordert sie das Kind dazu auf, das Parklet zu
verlassen. Das Kind reagiert auch darauf aber nur für eine Weile. Danach spielt
das Kind auf dem Parklet mit den Sitzblöcken weiter. Die Frau entschuldigt sich
daraufhin. Hanna hingegen antwortet darauf, dass es sie freut, wenn das
Parklet genutzt wird, denn dafür ist es ja da.
Gegen Ende des Treffens fällt
allen Beteiligten auf, dass die Blumen auf dem Parklet etwas ausgetrocknet
wirken. Guntram geht daraufhin in das gegenüberliegende Kunstlabor, um nach
einer Gießkanne zu fragen, die haben sie jedoch nicht. Also versuchen alle in
gemeinsamer Arbeit, die Pflanzen mithilfe von Gläsern zu gießen. Aufgrund der
Größe des Parklets funktioniert das nur mit mäßigem Erfolg. Im nächsten
Augenblick kommt ein Fahrzeug der Straßenreinigung vorbei, der ebenso in Besitz
eines Wasserschlauches ist. Guntram und Hanna fragen gemeinsam, ob sie den
Wasserschlauch zum Gießen ausleihen dürfen. Der Mitarbeiter der Stadt Wien
erlaubt es aber nicht, weil das Parklet zwar auf dem öffentlichen Raum steht
und nur genehmigt wird, wenn es als öffentlicher Raum genutzt wird, d. h. für
alle zugänglich ist aber die Haftung übernimmt der AntragsstellerIn des
Parklets und diese/r ist ebenso für die Sauberkeit verantwortlich.
Außer den Vereinstreffen, bildet
das Parklet des Weiteren den Startpunkt so mancher Führungen in der Stadt. Und
auch die VerkäuferInnen aus den naheliegenden Geschäften nutzen das Parklet
gerne in ihrer Pause. Ebenso sieht man hier oft Kinder spielen. Straßenfeste
und Parklets, bzw. ähnliche Projekte werden von der Grätzloase, einer
Initiative der Lokalen Agenda 21, gefördert, um Freiräume alternativ zu nutzen
und zu einer besseren Nachbarschaft beizutragen. Das Ansuchen für eine
Förderung können Schulen, Vereine, Unternehmen und Privatpersonen stellen. Die
Idee hinter den Parklets ist es, die Straßen anders als nur für Verkehr und Konsum
zu nutzen. Zum anderen gibt es viele
Personen in der Stadt, die mehr Sitzplätze und Räume zum Austauschen gebrauchen
können, wie ältere Leute, Personen mit Kindern, Personen mit
Gehschwierigkeiten, Leute, die schwer tragen müssen und Viele mehr.
Aber nicht jeder mag die Idee,
Parkraum für Sitzgelegenheiten aufgeben zu müssen. Manche Personen sind
allgemein gegenüber Neuerungen skeptisch oder haben Angst vor nächtlicher
Lärmbelästigung. Eine weitere Kritik
gegenüber dem Projekt ist, dass es Steuergelder und Parkplätze verschwendet. Der
geplante Standort sollte sich eigentlich vor der Wohnung eines Mitgliedes befinden,
jedoch waren die AnwohnerInnen aufgrund der oben genannten Punkte dagegen. Da das
Parklet am ursprünglich geplanten Standort aufgrund des Widerstandes nicht
möglich war, verwandelten sie es in eine Kooperation mit dem Kunstlabor „Das T/abor“
und stellten das Parklet dort auf. Denn Parklets können nur vor der eigenen
Wohnung bzw. eigenen Geschäftslokal aufgestellt werden und maximal zwei
Parkplätze einnehmen. Der Aufbau dieses
Parklets lässt sich auf der Facebookseite der Grätzloase nachverfolgen. Der Verein wollte mit der Aktion auf die
kritische Seite der Stadtarchitektur und Stadtgestaltung aufmerksam machen. Es geht
darum den öffentlichen Raum zu beleben und gleichzeitig zu fragen, wie dieser
genutzt werden soll. Zurzeit gibt es ein falsches Verhältnis zwischen dem Platz
den FußgängerInnen zur Verfügung steht und jenen der Autos zur Verfügung steht
und dabei sind AutofahrerInnen in einer Stadt, wie in Wien doch in der
Minderheit.
Vielen Menschen sind die
Aufenthaltsräume im Freien besonders wichtig. Auf dem Parklet lässt es sich
bequem sitzen und man bekommt weniger von dem Straßenlärm mit als erwartet,
obwohl das Parklet an einer Hauptstraße steht. Es gibt allerdings auch
Parklets, die sich ruhiger gelegen in kleinen Seitengassen finden lassen. Die Idee der Parklets bildete sich in San Francisco
und breitete sich von dort weltweit aus. In Wien gibt es die Parklets in vielen
Bezirken. Die meisten Parklets befinden sich im 2., 7., und 18. Bezirk. Die Parklets
wurden in Wien immer mehr, d. h. immer mehr Leute ließen sich davon begeistern,
weil es ein bisschen Grün in eine verbaute Stadt bringt, einen Austauschort für
die NachbarInnen bietet und es die Straße etwas lebendiger macht, wenn draußen Menschen
sitzen.
Die Parklets bieten den
AnwohnerInnen einen Platz, um sich auszutauschen aber auch für WienerInnen aus
anderen Bezirken bzw. BesucherInnen der Stadt Wien, eine Möglichkeit die Stadt
zu erkunden. Man trifft durch die Parklets auf viele unterschiedliche Viertel
und auch viele unterschiedliche Menschen. Im 7. Bezirk kann man zum Beispiel
bei dem Parklet „Kunst und Grün in der Kaiserstraße 2018“ in der Kaiserstraße
72 starten. Manchmal trifft man hier den Inhaber des Ateliers, der draußen
arbeitet, denn im Freien arbeitet es sich doch gleich viel besser.
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| @ARCC.art |
Geht man ein bisschen weiter, begegnet
man der „Kraft_Tank_Stelle Vol.2“ in der Lerchenfelderstraße 81. Heute Abend
ist hier niemand am Parklet aber man kann viele Menschen beim Vorbeigehen
beobachten. So ruhig ist es aber nicht immer am Parklet. Manchmal sieht man am
Abend hier Leute, die telefonieren, ihre Zeitung lesen oder auf einen Termin im
nahe gelegenen Massagestudio warten.
Weiter geht’s in die Strozzigasse
30, wo sich ein weiteres Parklet namens „Mein Strozzigrund“ inklusive eines
offenen Bücherschranks befindet. Manchmal sieht man hier einen der Anwohner
gemütlich ein Buch lesen.
Weitere Informationen zu den Parklets sind hier zu finden
-> www.graetzloase.at
Von Daniela Sobocan



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