Montag, 4. Februar 2019

Eine Erkundung der Parklets in Wien



Die Reise führt zu den verschiedensten Parklets in Wien und zu den Menschen mit ihren einzigartigen Erfahrungen über die alternative Parkplatznutzung und ihren vorhandenen Wünschen an eine menschengerechtere Stadt. Parklets sind Sitzgelegenheiten oder kleine Gärten, die auf Parkplätzen eingerichtet werden können, um konsumfreie Orte zum Verweilen zu schaffen.

Das Parklet „Geht doch – Nimm dir deinen Platz“ befindet sich in der Taborstraße 51 im 2. Wiener Gemeindebezirk. Initiiert wurde es unter anderem von dem Verein „Geht doch“, welcher verschiedene Aktionen im Straßenraum durchführt mit dem Ziel zu zeigen, dass der Straßenraum den Menschen gehört und nicht den Autos. Kurz gesagt setzt sich der Verein also für die Interessen von Zufußgehenden ein, wie z. B. für eine höhere Anzahl von Sitzbänken im öffentlichen Raum.

Heute am 10. September treffen sich Hanna, Guntram und eine weitere Person am Parklet, um ihre zukünftigen Aktionen zu besprechen. Es ist ein offenes Treffen, zu dem alle Interessierten eingeladen sind aber heute kommt niemand mehr und wir bleiben zu viert. Die zwei Hauptthemen während des Treffens sind das Parklet und das kommende Streetlife Festival. Bei dem Thema „Parklet“ geht es darum, wie man das Parklet für möglichst viele unterschiedliche Gruppen interessant machen kann. Die Anfangsidee besteht darin, ältere Frauen einzuladen, um auf dem Parklet zu stricken oder Spiele zu spielen. Es werden einige scherzhafte Anmerkungen gemacht, wie die gewünschte Zielgruppe zu finden sei. Im Endeffekt fiel die Entscheidung darauf, sich im Bekanntenkreis nach geeigneten Personen umzuhören.

Meine Anwesenheit führte auch zu einer Anekdote über die Beschaffung der Materialien für das Parklet. Guntram fuhr zu einem bekannten Geschäft mit Bausortiment, um verschiedene Materialien für das Parklet zu kaufen und sich zudem einen Wagen auszuleihen. Die Angestellte war nur wenig davon begeistert, ihm diesen Wagen zur Verfügung zu stellen. Als er ihr erzählte, für welches Projekt er den Wagen brauchte, war sie gleich noch viel weniger begeistert. Daraufhin sagte Guntram, sie möchte sich folgende Situation vorstellen (die etwas ältere Frau hat übrigens ein offensichtliches Hüftleiden): Sie hat gerade eingekauft und muss die ganze Länge der Taborstraße (in der sie wohnt) zu Fuß hinaufgehen. Das kann sie nachvollziehen und lenkt ein, dass sie die Aktion jetzt versteht. So kommt Guntram doch zu seinem Wagen, um die Holzbretter für das Parklet zu transportieren.

Im Verlauf des Treffens auf dem Parklet kommen eine Frau und ein Kind vorbei. Das Kind nutzt die Sitzblöcke auf dem Parklet zum Spielen. Sie warteten anscheinend auf jemanden. Die Frau schaut immer wieder zu uns herüber. Dann fordert sie das Kind dazu auf, das Parklet zu verlassen. Das Kind reagiert auch darauf aber nur für eine Weile. Danach spielt das Kind auf dem Parklet mit den Sitzblöcken weiter. Die Frau entschuldigt sich daraufhin. Hanna hingegen antwortet darauf, dass es sie freut, wenn das Parklet genutzt wird, denn dafür ist es ja da.

Gegen Ende des Treffens fällt allen Beteiligten auf, dass die Blumen auf dem Parklet etwas ausgetrocknet wirken. Guntram geht daraufhin in das gegenüberliegende Kunstlabor, um nach einer Gießkanne zu fragen, die haben sie jedoch nicht. Also versuchen alle in gemeinsamer Arbeit, die Pflanzen mithilfe von Gläsern zu gießen. Aufgrund der Größe des Parklets funktioniert das nur mit mäßigem Erfolg. Im nächsten Augenblick kommt ein Fahrzeug der Straßenreinigung vorbei, der ebenso in Besitz eines Wasserschlauches ist. Guntram und Hanna fragen gemeinsam, ob sie den Wasserschlauch zum Gießen ausleihen dürfen. Der Mitarbeiter der Stadt Wien erlaubt es aber nicht, weil das Parklet zwar auf dem öffentlichen Raum steht und nur genehmigt wird, wenn es als öffentlicher Raum genutzt wird, d. h. für alle zugänglich ist aber die Haftung übernimmt der AntragsstellerIn des Parklets und diese/r ist ebenso für die Sauberkeit verantwortlich.

Außer den Vereinstreffen, bildet das Parklet des Weiteren den Startpunkt so mancher Führungen in der Stadt. Und auch die VerkäuferInnen aus den naheliegenden Geschäften nutzen das Parklet gerne in ihrer Pause. Ebenso sieht man hier oft Kinder spielen. Straßenfeste und Parklets, bzw. ähnliche Projekte werden von der Grätzloase, einer Initiative der Lokalen Agenda 21, gefördert, um Freiräume alternativ zu nutzen und zu einer besseren Nachbarschaft beizutragen. Das Ansuchen für eine Förderung können Schulen, Vereine, Unternehmen und Privatpersonen stellen. Die Idee hinter den Parklets ist es, die Straßen anders als nur für Verkehr und Konsum zu nutzen.  Zum anderen gibt es viele Personen in der Stadt, die mehr Sitzplätze und Räume zum Austauschen gebrauchen können, wie ältere Leute, Personen mit Kindern, Personen mit Gehschwierigkeiten, Leute, die schwer tragen müssen und Viele mehr.

Aber nicht jeder mag die Idee, Parkraum für Sitzgelegenheiten aufgeben zu müssen. Manche Personen sind allgemein gegenüber Neuerungen skeptisch oder haben Angst vor nächtlicher Lärmbelästigung. Eine  weitere Kritik gegenüber dem Projekt ist, dass es Steuergelder und Parkplätze verschwendet. Der geplante Standort sollte sich eigentlich vor der Wohnung eines Mitgliedes befinden, jedoch waren die AnwohnerInnen aufgrund der oben genannten Punkte dagegen. Da das Parklet am ursprünglich geplanten Standort aufgrund des Widerstandes nicht möglich war, verwandelten sie es in eine Kooperation mit dem Kunstlabor „Das T/abor“ und stellten das Parklet dort auf. Denn Parklets können nur vor der eigenen Wohnung bzw. eigenen Geschäftslokal aufgestellt werden und maximal zwei Parkplätze einnehmen.  Der Aufbau dieses Parklets lässt sich auf der Facebookseite der Grätzloase nachverfolgen.  Der Verein wollte mit der Aktion auf die kritische Seite der Stadtarchitektur und Stadtgestaltung aufmerksam machen. Es geht darum den öffentlichen Raum zu beleben und gleichzeitig zu fragen, wie dieser genutzt werden soll. Zurzeit gibt es ein falsches Verhältnis zwischen dem Platz den FußgängerInnen zur Verfügung steht und jenen der Autos zur Verfügung steht und dabei sind AutofahrerInnen in einer Stadt, wie in Wien doch in der Minderheit.

Vielen Menschen sind die Aufenthaltsräume im Freien besonders wichtig. Auf dem Parklet lässt es sich bequem sitzen und man bekommt weniger von dem Straßenlärm mit als erwartet, obwohl das Parklet an einer Hauptstraße steht. Es gibt allerdings auch Parklets, die sich ruhiger gelegen in kleinen Seitengassen finden lassen.  Die Idee der Parklets bildete sich in San Francisco und breitete sich von dort weltweit aus. In Wien gibt es die Parklets in vielen Bezirken. Die meisten Parklets befinden sich im 2., 7., und 18. Bezirk. Die Parklets wurden in Wien immer mehr, d. h. immer mehr Leute ließen sich davon begeistern, weil es ein bisschen Grün in eine verbaute Stadt bringt, einen Austauschort für die NachbarInnen bietet und es die Straße etwas lebendiger macht, wenn draußen Menschen sitzen.

Die Parklets bieten den AnwohnerInnen einen Platz, um sich auszutauschen aber auch für WienerInnen aus anderen Bezirken bzw. BesucherInnen der Stadt Wien, eine Möglichkeit die Stadt zu erkunden. Man trifft durch die Parklets auf viele unterschiedliche Viertel und auch viele unterschiedliche Menschen. Im 7. Bezirk kann man zum Beispiel bei dem Parklet „Kunst und Grün in der Kaiserstraße 2018“ in der Kaiserstraße 72 starten. Manchmal trifft man hier den Inhaber des Ateliers, der draußen arbeitet, denn im Freien arbeitet es sich doch gleich viel besser.

@ARCC.art

Geht man ein bisschen weiter, begegnet man der „Kraft_Tank_Stelle Vol.2“ in der Lerchenfelderstraße 81. Heute Abend ist hier niemand am Parklet aber man kann viele Menschen beim Vorbeigehen beobachten. So ruhig ist es aber nicht immer am Parklet. Manchmal sieht man am Abend hier Leute, die telefonieren, ihre Zeitung lesen oder auf einen Termin im nahe gelegenen Massagestudio warten.



Weiter geht’s in die Strozzigasse 30, wo sich ein weiteres Parklet namens „Mein Strozzigrund“ inklusive eines offenen Bücherschranks befindet. Manchmal sieht man hier einen der Anwohner gemütlich ein Buch lesen.



Weitere Informationen zu den Parklets sind hier zu finden -> www.graetzloase.at

Von Daniela Sobocan